Stop-Loss und Take-Profit setzen: Vollständiger Leitfaden für Anfänger

Stop-Loss und Take-Profit setzen gehört zu den wichtigsten Fähigkeiten im Devisenhandel. Ein Stop-Loss schließt Ihre Position automatisch, wenn sich der Kurs um einen vorher festgelegten Betrag gegen Sie bewegt und begrenzt so Ihren Verlust. Ein Take-Profit schließt Ihre Position automatisch, wenn der Kurs Ihr Gewinnziel erreicht und sichert Gewinne, ohne dass Sie den Markt ständig beobachten müssen.

Stop-Loss und Take-Profit setzen: Infografik Forex-Chart mit Stop-Loss- und Take-Profit-Niveaus

Jeder professionelle Händler verwendet Stop-Losses bei jedem Trade ohne Ausnahme. Der Unterschied zwischen profitablen Händlern und solchen, die ihre Konten vernichten, hängt oft von der disziplinierten Verwendung von Stop-Losses ab.

Was sind Stop-Loss und Take-Profit Orders?

Stop-Loss und Take-Profit Orders sind automatisierte Anweisungen, die Ihre Positionen schließen, wenn bestimmte Kursniveaus erreicht werden.

Stop-Loss Orders

Ein Stop-Loss ist eine Schutzorder auf einer offenen Position, die den Trade automatisch schließt, wenn sich der Kurs bis zu einem bestimmten Niveau gegen Sie bewegt.

So funktioniert es:

  • Sie kaufen EUR/USD bei 1,0850
  • Sie platzieren einen Stop-Loss bei 1,0800 (50 Pips unter dem Einstieg)
  • Wenn der Kurs auf 1,0800 fällt, wird Ihre Position automatisch geschlossen
  • Ihr Verlust ist auf 50 Pips begrenzt, unabhängig davon, wie weit der Kurs weiter fällt

Ohne Stop-Loss, wenn EUR/USD weiter auf 1,0700 fällt, würden Sie 150 Pips statt nur 50 Pips verlieren.

Take-Profit Orders

Eine Take-Profit Order schließt Ihre Position automatisch, wenn der Kurs Ihr Gewinnziel erreicht.

So funktioniert es:

  • Sie kaufen EUR/USD bei 1,0850
  • Sie platzieren einen Take-Profit bei 1,0950 (100 Pips über dem Einstieg)
  • Wenn der Kurs auf 1,0950 steigt, wird Ihre Position automatisch geschlossen
  • Ihr Gewinn wird bei 100 Pips gesichert

Die Commodity Futures Trading Commission verpflichtet Forex-Broker sicherzustellen, dass Händler Ordertypen einschließlich Stop-Losses und Take-Profits verstehen.

Warum Stop-Losses unverzichtbar sind

Schutz vor katastrophalen Verlusten

Märkte können sich heftig und unvorhersehbar bewegen. Ohne Stop-Losses kann ein handhabbarer 30-Pip-Verlust zu einer kontozerstörenden Katastrophe von 300 Pips werden.

Reales Beispiel: Schweizer Franken-Krise (Januar 2015)

  • EUR/CHF bewegte sich in Minuten um über 3.000 Pips, als die Schweizerische Nationalbank die Währungsbindung aufhob
  • Händler ohne Stop-Losses verloren sofort ihre gesamten Konten
  • Einige Konten gingen ins Negative
  • Händler mit Stop-Losses überlebten

Erzwungene Disziplin

Stop-Losses entfernen Emotionen aus der schwierigsten Handelsentscheidung — zuzugeben, dass man falsch liegt und einen Verlust zu akzeptieren.

Psychologie ohne Stop-Loss:

  • “Es wird zurückkommen”
  • “Ich gebe ihm etwas mehr Spielraum”
  • Position bewegt sich weiter gegen Sie
  • Kleiner Verlust wird zu großem Verlust

Psychologie mit Stop-Loss:

  • Stop löst automatisch aus
  • Verlust ist vorher festgelegt und akzeptabel
  • Sie gehen zum nächsten Trade über

Kapitalerhalt

Beispiel: 10.000-Dollar-Konto

  • Risiko pro Trade: 1% = 100 Dollar
  • Stop-Loss: 50 Pips
  • Positionsgröße: 100 Dollar ÷ 50 Pips = 2 Dollar pro Pip = 2 Mini-Lots

Selbst bei 10 aufeinanderfolgenden Verlust-Trades würden Sie nur 1.000 Dollar (10%) verlieren und hätten noch 9.000 Dollar zum Weiterhandeln.

Die National Futures Association betont, dass Stop-Loss Orders ein kritischer Bestandteil des Risikomanagements für Retail-Forex-Händler sind. Weitere Details finden Sie in unserem Leitfaden zum Forex-Risikomanagement.

Wie man die Stop-Loss-Distanz berechnet

Methode 1: Prozentbasierter Stop-Loss

Formel: Stop-Loss-Distanz (Pips) = (Kontosaldo × Risiko %) ÷ (Positionsgröße × Pip-Wert)

Beispiel:

  • Konto: 5.000 Dollar
  • Risiko: 2% = 100 Dollar
  • Position: 1 Standard-Lot EUR/USD
  • Pip-Wert: 10 Dollar

Stop-Loss = 100 Dollar ÷ (1 × 10 Dollar) = 10 Pips

Bei 50-Pip-Stop: Positionsgröße = 100 Dollar ÷ (50 Pips × 10 Dollar pro Pip) = 0,2 Lots

Methode 2: ATR-basierter Stop-Loss

Der Average True Range (ATR) misst die typische Marktvolatilität.

Formel: Stop-Loss-Distanz = ATR × Multiplikator (typischerweise 1,5 bis 2,5)

Beispiel:

  • EUR/USD 4-Stunden-Chart
  • ATR = 40 Pips
  • Multiplikator: 2,0
  • Stop-Loss = 40 × 2,0 = 80 Pips

Methode 3: Technischer Stop-Loss

Stops basierend auf Chartstruktur setzen — knapp jenseits von Unterstützung (für Long-Positionen) oder Widerstand (für Short-Positionen).

Beispiel: Long-Trade

  • EUR/USD bricht über Widerstand bei 1,0850
  • Vorherige Unterstützung bei 1,0800
  • Stop bei 1,0790 (10 Pips unter der Unterstützung)
  • Stop-Distanz: 60 Pips vom Einstieg

Methode 4: Preisaktion-basierter Stop-Loss

Stops jenseits spezifischer Kerzenmuster setzen.

Beispiel: Pin-Bar-Einstieg

  • Bullischer Pin-Bar bei Unterstützung (1,0800)
  • Pin-Bar-Tief: 1,0785
  • Stop bei 1,0775 (10 Pips unter dem Pin-Bar-Tief)
  • Einstieg bei 1,0820 (über dem Pin-Bar-Hoch)
  • Stop-Distanz: 45 Pips

Stop-Loss-Platzierungsstrategien

Fester Pip-Stop-Loss

Verwenden Sie dieselbe Pip-Distanz für alle Trades.

Vorteile: Einfach und konsistent, einfache Positionsgrößenberechnung

Nachteile: Passt sich nicht der Marktvolatilität an, ignoriert technische Niveaus

Am besten für: Anfänger, Hochfrequenzhändler

Volatilitätsangepasster Stop-Loss

Stop-Distanz basierend auf aktueller Marktvolatilität mit ATR anpassen.

Vorteile: Passt sich den Marktbedingungen an, engere Stops in ruhigen Perioden, weitere Stops in volatilen Perioden

Nachteile: Komplexere Berechnungen, erfordert laufende Anpassung

Am besten für: Fortgeschrittene bis erfahrene Händler

Chartstruktur-Stop-Loss

Stops jenseits wichtiger Unterstützungs-/Widerstandsniveaus, Trendlinien oder Chartmuster setzen.

Vorteile: Logische Platzierung basierend auf Marktstruktur, bietet oft gute Risiko-Ertrags-Verhältnisse

Nachteile: Erfordert solide technische Analysekenntnisse

Am besten für: Technische Händler, erfahrene Händler

Take-Profit-Platzierungsstrategien

Festes Risiko-Ertrags-Verhältnis

Take-Profit bei einem festen Vielfachen Ihrer Stop-Loss-Distanz setzen.

Häufige Risiko-Ertrags-Verhältnisse:

  • 1:1 (50-Pip-Stop, 50-Pip-Ziel)
  • 1:2 (50-Pip-Stop, 100-Pip-Ziel)
  • 1:3 (50-Pip-Stop, 150-Pip-Ziel)

Beispiel:

  • Einstieg: 1,0850
  • Stop: 1,0800 (50 Pips)
  • 1:2 Risiko-Ertrags
  • Take-Profit: 1,0950 (100 Pips)

Am besten für: Anfänger, systematische Händler, Scalper und Day-Trader

Technisches Niveau Take-Profit

Take-Profit bei logischen technischen Niveaus setzen, wo der Kurs umkehren könnte.

Widerstandsniveaus:

  • Long-Trade ab 1,0850
  • Vorheriger Widerstand bei 1,0950
  • Take-Profit bei 1,0940 (knapp vor dem Widerstand)

Runde Zahlen:

  • Einstieg bei 1,0850
  • Nächste große runde Zahl: 1,1000
  • Take-Profit bei 1,0995 (knapp davor)

Die Financial Conduct Authority stellt fest, dass richtige Gewinnmitnahmestrategien genauso wichtig sind wie die Stop-Loss-Platzierung.

Am besten für: Technische Händler, Swing- und Positions-Trader

Trailing Stop als Take-Profit

Anstatt eines festen Take-Profits einen Trailing Stop verwenden, der sich mit dem Kurs bewegt.

Beispiel:

  • Einstieg: 1,0850
  • Anfänglicher Stop: 1,0800 (50 Pips)
  • Kurs steigt auf 1,0900 — Trailing Stop bewegt sich auf 1,0850 (Break-even)
  • Kurs steigt auf 1,0950 — Trailing Stop bewegt sich auf 1,0900 (50 Pips Gewinn gesichert)
  • Kurs kehrt auf 1,0900 um — Trailing Stop löst aus, Ausstieg mit 50 Pips Gewinn

Am besten für: Trend-Händler, Swing-Trader

Teilweise Gewinnmitnahme

Anstatt die gesamte Position zu schließen, bei mehreren Niveaus Teilgewinne mitnehmen.

Beispiel:

  • 3 Mini-Lots bei 1,0850 einsteigen
  • Stop: 1,0800 (50 Pips)
  • Ziel 1: 1,0900 (50 Pips) — 1 Lot schließen
  • Ziel 2: 1,0950 (100 Pips) — 1 Lot schließen
  • Ziel 3: 1,1000 (150 Pips) oder Trailing Stop — letztes Lot schließen

Am besten für: Swing-Trader, Positions-Trader, größere Konten

Stop-Loss und Take-Profit setzen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

MetaTrader 4/5

Bei Eröffnung eines neuen Trades:

  1. Rechtsklick auf Chart → “Handel” → “Neue Order”
  2. Ordertyp auswählen
  3. Positionsgröße eingeben
  4. “Stop-Loss” Kursniveau setzen
  5. “Take-Profit” Kursniveau setzen
  6. “Kaufen” oder “Verkaufen” klicken

Für bestehende offene Position:

  1. Position im “Handel”-Tab unten suchen
  2. Rechtsklick auf Position
  3. “Order ändern oder löschen” auswählen
  4. Neuen Stop-Loss und/oder Take-Profit eingeben
  5. “Ändern” klicken

Schnellmethode: Gepunktete Linien auf dem Chart ziehen (Rot = Stop-Loss, Grün = Take-Profit)

cTrader

  1. “Neue Order” klicken
  2. Positionsgröße eingeben
  3. Stop-Loss setzen (Pips oder Kurs)
  4. Take-Profit setzen (Pips oder Kurs)
  5. “Market kaufen” oder “Market verkaufen” klicken

Wichtiger Hinweis — Spread berücksichtigen: Bei Long-Positionen den Spread vom gewünschten Stop-Loss-Niveau abziehen. Bei einem 50-Pip-Stop mit 2-Pip-Spread den Stop 52 Pips vom Einstieg entfernt setzen.

Weitere Details finden Sie in unserem Leitfaden zum Spread im Forex.

Häufige Stop-Loss-Fehler

Fehler 1 — Ohne Stop-Losses handeln: Niemals einen Trade ohne einen vorher festgelegten Stop-Loss eröffnen.

Fehler 2 — Stops weiter vom Einstieg wegbewegen: Wenn der Kurs sich Ihrem Stop nähert, ihn weiter weg zu verschieben, verwandelt kleine Verluste in große.

Beispiel:

  • Einstieg: 1,0850, Stop: 1,0800 (50-Pip-Risiko)
  • Kurs fällt auf 1,0805 — Stop wird auf 1,0750 verschoben (100-Pip-Risiko)
  • Kurs fällt auf 1,0755 — Stop wird auf 1,0700 verschoben (150-Pip-Risiko)
  • Ergebnis: 150-Pip-Verlust statt der ursprünglichen 50 Pips

Fehler 3 — Zu enge Stops: Stops zu nah am Einstieg führen zu häufigen Auslösungen durch normales Marktgeräusch.

Fehler 4 — Zu weite Stops: Übermäßig weite Stops relativ zur Kontogröße schaffen übergehebelte Positionen. Verwenden Sie unseren kostenlosen Positionsgrößenrechner.

Fehler 5 — Spread vergessen: Bei Long-Positionen den Spread beim Setzen des Stops nicht berücksichtigen.

Fehler 6 — Mentale Stops verwenden: Immer tatsächliche Stop-Loss Orders in Ihrer Plattform platzieren — niemals auf “mentale Stops” verlassen.

Fortgeschrittene Stop-Loss-Techniken

Break-Even-Stops

Sobald sich Ihr Trade günstig entwickelt, den Stop auf den Einstieg verschieben und so das Risiko eliminieren.

Wann auf Break-Even wechseln:

  • Nachdem der Trade 1,5–2× Ihre anfängliche Stop-Distanz zu Ihren Gunsten bewegt hat
  • Nach dem ersten technischen Ziel
  • Vor wichtigen Nachrichtenereignissen

Beispiel:

  • Einstieg: 1,0850, anfänglicher Stop: 1,0800 (50 Pips)
  • Kurs bewegt sich auf 1,0925 (75 Pips Gewinn)
  • Stop auf 1,0850 (Break-even) verschieben
  • Schlimmster Fall: 0 Dollar Verlust statt -500 Dollar

Zeitbasierte Stops

Positionen nach einem bestimmten Zeitraum schließen, wenn sie sich nicht wie erwartet entwickelt haben.

Beispiel:

  • Day-Trade-Einstieg erwartet 50-Pip-Bewegung innerhalb von 4 Stunden
  • Nach 4 Stunden hat sich der Trade nur 10 Pips bewegt
  • Manuell aussteigen, obwohl Stop nicht ausgelöst wurde
  • Kapital für bessere Gelegenheiten freigeben

Skalierte Stops

Stop-Distanzen basierend darauf anpassen, wie lange Sie die Position gehalten haben.

Beispiel:

  • Einstieg: 1,0850, Stop: 1,0800 (50 Pips)
  • Nach 24 Stunden und 30 Pips Gewinn: Stop auf 1,0830 verschieben
  • Nach 48 Stunden und 60 Pips Gewinn: Stop auf 1,0860 verschieben (10 Pips Gewinn gesichert)

Stop-Loss und Take-Profit für verschiedene Handelsstile

Scalping:

  • Stop-Loss: 5-15 Pips
  • Take-Profit: 5-15 Pips (typischerweise 1:1 Risiko-Ertrags)
  • Methode: Feste Pip-Distanzen, sehr eng

Day-Trading:

  • Stop-Loss: 20-50 Pips
  • Take-Profit: 40-100 Pips (häufig 1:2 Risiko-Ertrags)
  • Methode: ATR-basiert oder technische Niveaus

Swing-Trading:

  • Stop-Loss: 50-150 Pips
  • Take-Profit: 100-300 Pips (häufig 1:2 Risiko-Ertrags)
  • Methode: Technische Struktur (Unterstützung/Widerstand)

Positions-Trading:

  • Stop-Loss: 150-500+ Pips
  • Take-Profit: 500-2.000+ Pips (1:3+ Risiko-Ertrags)
  • Methode: Große Unterstützung/Widerstand, prozentbasiert

Risiko mit Stop-Loss und Take-Profit berechnen

Risiko-Ertrags-Verhältnis-Formel

Risiko-Ertrags = (Take-Profit-Distanz) ÷ (Stop-Loss-Distanz)

Beispiel 1:

  • Einstieg: 1,0850 | Stop: 1,0800 (50 Pips) | Ziel: 1,0950 (100 Pips)
  • Risiko-Ertrags: 100 ÷ 50 = 1:2

Beispiel 2:

  • Einstieg: 1,0850 | Stop: 1,0820 (30 Pips) | Ziel: 1,0880 (30 Pips)
  • Risiko-Ertrags: 30 ÷ 30 = 1:1

Break-Even-Gewinnrate-Berechnung

Erforderliche Gewinnrate = 1 ÷ (1 + Risiko-Ertrags-Verhältnis)

  • Bei 1:1 Risiko-Ertrags: 1 ÷ (1+1) = 50% Gewinnrate erforderlich
  • Bei 1:2 Risiko-Ertrags: 1 ÷ (1+2) = 33,3% Gewinnrate erforderlich
  • Bei 1:3 Risiko-Ertrags: 1 ÷ (1+3) = 25% Gewinnrate erforderlich

Dies zeigt, warum professionelle Händler Risiko-Ertrags-Verhältnisse betonen — bessere Verhältnisse ermöglichen Profitabilität mit niedrigeren Gewinnraten.

Positionsgröße basierend auf Stop-Loss

Formel: Positionsgröße = (Kontorisiko in Dollar) ÷ (Stop-Loss-Pips × Pip-Wert)

Beispiel:

  • Konto: 10.000 Dollar
  • Risiko: 2% = 200 Dollar
  • Stop: 40 Pips
  • Pip-Wert für 1 Mini-Lot: 1 Dollar
  • Positionsgröße = 200 Dollar ÷ (40 × 1 Dollar) = 5 Mini-Lots (0,5 Standard-Lots)

Weitere Ressourcen

Risikohinweis

Stop-Loss und Take-Profit Orders sind unverzichtbare Werkzeuge im Forex-Trading, ersetzen aber kein umfassendes Risikomanagement. Handeln Sie immer mit Brokern, die von der Commodity Futures Trading Commission (CFTC), der National Futures Association (NFA) und der Financial Conduct Authority (FCA) reguliert werden.